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Patria WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Cie.

Das Unternehmen wurde 1883 durch den Zusammenschluss der beiden alteingesessenen Traditionsfirmen Gebr. Weyersberg und W. R. Kirschbaum begründet, die beide bisher ausschließlich Waffen hergestellt hatten. Fortan hieß es Weyersberg, Kirschbaum & Cie. (WKC).

Bis 1893 wuchs die Belegschaft auf rund 630 Mitarbeiter an. Ab Mitte der 1890er Jahre stellte das Unternehmen auch Fahrradteile – Kurbelgetriebe, Naben, Pedale sowie Ketten – her. 1898 kam das erste komplette Fahrrad unter dem Markennamen „Patria“ (lat. patria = Vaterland) auf den Markt.

1897/1898 kam es zu einer ersten Krise der Fahrradindustrie, weshalb die Hälfte der Belegschaft entlassen wurde. Das Unternehmen verlegte sich fortan zusätzlich auf die Produktion weiterer Geräte wie Haarschneidemaschinen, Äxte und Zuckerhauer (Macheten). Zwischen 1899 und 1901 stellte das Unternehmen in geringer Anzahl auch Automobile mit Einzylindermotoren her. Eine weitere Quelle bestätigt den Bauzeitraum und gibt außerdem an, dass es Tricars auf Basis von Motorrädern waren, die zwischen den Vorderrädern eine Person oder Gepäck befördern konnten.

Nach der Überwindung dieser Krise wurden bei WKC bis in die 1910er Jahre hinein jährlich bis zu 35.000 Fahrräder produziert; nach dem Ersten Weltkrieg stieg die jährliche Produktion auf rund 100.000 Stück. Damit gehörte WKC zu den zehn größten Fahrradfabriken in Deutschland. Die Belegschaft von WKC wuchs auf rund 1200 Mitarbeiter. Bestrebungen des Unternehmens, in den Motorradbau einzusteigen, scheiterten jedoch. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise ging die Muttergesellschaft Siegen-Solinger Gussstahl-Aktien-Verein, zu der WKC seit 1922 gehörte, 1929 in Konkurs. Durch die Ausgliederung einzelner Abteilungen, aus der später eigenständige Firmen entstanden, konnte die Produktion von Fahrrädern, Waffen und Haarschneidemaschinen bei WKC jedoch fortgeführt werden.

Zwischen 1933 und 1945 erlangte die Firma WKC wieder einen Namen für hochwertige blanke Waffen und wurde zum wichtigsten Säbel-Lieferanten für die Wehrmacht. Im Zweiten Weltkrieg waren die Gebäude der WKC, die 1932 von ihrer ursprünglichen Adresse in der Innenstadt in den Ortsteil Merscheid umgezogen war, Ziel der englischen Bombardements auf Solingen und wurden fast alle zerstört.

Von 1948 bis 1951 finanzierte Patria WKC ein eigenes Radsportteam, bei dem bekannte Fahrer wie der Dortmunder Erich Bautzund & der Dresdener Oskar Thierbach unter Vertrag standen. 1953 musste das Unternehmen, das inzwischen neben Fahrrädern auch Mopeds und kleine Motorräder herstellte, die Produktion einstellen. Die Waffensparte von Weyersberg, Kirschbaum & Cie. produziert bis heute Blankwaffen.

Seit 1971 werden Fahrräder mit dem Markennamen Patria von der Firma Ernst Kleinebenne, später Kleinebenne GmbH, in Leopoldshöhe bei Bielefeld hergestellt.


NSU Motorenwerke

NSU war ein deutscher Fahrrad-, Motorrad-, Automobil-, und Motoroller Hersteller, der 1873 in Riedlingen an der Donau von Christian Schmidt und Heinrich Stoll gegründet und 1880 nach Neckarsulm verlegt wurde.

Gefertigt wurden in den ersten 20 Jahren Strickmaschinen. 1886 wurde die Strickmaschinenfabrik in Neckarsulm um eine Fahrradbauabteilung erweitert. Das Zweirad sollte von da an die Geschichte des Unternehmens bestimmen. 1901 begann bei den NSU-Motorenwerken die Motorradproduktion, fünf Jahre später der Automobilbau. Die Herstellung von den Personenkraftwagen wurde jedoch 1929 wieder aufgegeben, um sich ganz der Zweiradproduktion zu widmen. 1958 nahm man den Automobilbau in Neckersulm wieder auf.

Im März 1977 rollte der letzte NSU vom Band, ab diesem Zeitpunkt wurden nur noch Audi Automobile produziert.

Der Name NSU, der ab 1892 als Markenname bzw. Markenzeichen verwendet wurde, ist ein Kurzwort für den Stadtnamen Neckarsulm, der sich wiederum von den beiden Flüssen Neckar und Sulm ableitet, die hier zusammenfließen.

Im Oktober 2005 wurde eines der letzten alten Gebäude der NSU-Motorenwerke – das „NSU-Kasino“ abgerissen.

Die heutige NSU GmbH – die Traditionsgesellschaft der Audi AG – ist eine Audi Tochter und wurde 1985 zur Pflege der Tradition des Standortes Neckarsulm gegründet.


HWE (Heidemann Werke Einbeck)

Um 1890 beginnt sich das Niederrad durchzusetzen. Der Einbecker Fahrradhändler Oscar Ammon beginnt um 1900 einen eigenen Fahrradversand aufzubauen.
 
Wirklich erfolgreich ist August Stukenbrok. 1890 eröffnete er eine kleine Fahrradhandlung. Innerhalb weniger Jahre wächst aus dem Ladengeschäft ein Großunternehmen. Sein Geheimnis ist der Großeinkauf bei den Herstellern und der Direktverkauf an die Kunden. Nicht zuletzt verfolgt August Stukenbrok auch sehr erfolgreiche Werbestrategien. Die Weltwirtschaftskrise trifft das Unternehmen hart : 1931 musste Konkurs angemeldet werden, 400 Arbeitsplätze gehen verloren.
 

Der Bielefelder Fahrradproduzent Karl Heidemann (Baronia) kauft 1937 die brachliegenden Gebäude Stukenbroks und beginnt dort, eine Fahrradfabrik zu errichten. Die Heidemann Werke (HWE) – seit 1942 von Sohn Gerhard übernommen – sollen in der Bundesrepublik bald zu einem der größten Fahrradhersteller gehören. 1977 entsteht eine moderne Fahrradfabrik im Industriegebiet Einbecks. Heidemann ist auch Zulieferer für die Automobilindustrie. Ende der 1980er Jahre kommt er zur vollständigen Umstrukturierung der Firma und 1992 wird die Fahrradprodution eingestellt.